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Unterwegs mit Helfern der Ausgabestelle Herschbach-Selters

Unterstützung ist willkommen

Westerwaldkreis. Ohne sie bewegt sich nichts: Die 17 Fahrer der Tafel-Ausgabestelle Herschbach-Selters retten Woche für Woche gute Lebensmittel vor der Tonne. Und das gleich kistenweise. Eine anstrengende, aber wichtige Aufgabe, für die dringend weitere Männer und Frauen gesucht werden – in allen acht Ausgabestellen im Westerwald.

„Die Fahrer sind so wichtig: Sie sind der Anfang der Kette, weil sie die Lebensmittel in die Ausgabestellen bringen“, sagt Vanessa Kahl, Koordinatorin der Ausgabestellen Höhr-Grenzhausen und Herschbach-Selters. Und obwohl die Abläufe zuverlässig und routiniert sind, wünscht sie sich für die drei Touren in der Woche Verstärkung hinterm Steuer: Montags und freitags fährt das Tafel-Team die Märkte und Geschäfte der Region Herschbach und Selters an; dienstags beliefern sie Tafel-KundInnen, die nicht mehr zur Ausgabestelle kommen können. „Die Touren dauern rund zwei bis drei Stunden“, sagt die Koordinatorin. „Abgesehen von einem Führerschein, Zuverlässigkeit und einem guten Gefühl am Lenker braucht’s dafür keine besonderen Voraussetzungen.“ 

Werner Rothard aus Goddert und Franz-Josef Endress aus Sessenhausen erfüllen die Voraussetzungen. Die beiden sind seit acht beziehungsweise einem Jahr für die Tafel unterwegs. Auch heute, wenn ihre Tour sie unter anderem nach Selters und Ransbach-Baumbach führt. Für die beiden Rentner ist der Dienst keine Last – im Gegenteil: Die Aufgabe ist für sie sinnstiftend, denn sie hilft Menschen, die sich kaum etwas leisten können, findet Werner Rothard: „Außerdem finde ich’s schlimm, wenn Fleisch einfach weggeworfen wird und die Tiere umsonst gestorben sind.“ Bis heute kann der 75-Jährige kein Essen wegwerfen, erzählt er: „Man kann aus allem etwas machen. Auch wenn meine Frau ab und zu die Nase rümpft, wenn ich die letzte, trockene Scheibe Brot esse.“ Franz-Josef Endress sieht das ähnlich: „Mit meinen Fahrten helfe ich Menschen und rette Lebensmittel“, bringt der 66-Jährige seine Motivation auf den Punkt. „Außerdem mag ich die Bring-Touren, also die Lieferfahrten zu den Tafel-KundInnen. Da sind Leute dabei, die die ganze Woche niemanden sehen. Die sind froh, wenn man mit ihnen mal ein Schwätzchen hält.“

Heute liefert das Duo nicht. Heute holen Rothard und Endress ab: Kisten voller Salat, Bananen, Blumenkohl, Erdbeeren und anderen Lebensmitteln, die Druckstellen haben, nicht mehr frisch aussehen und einfach nicht mehr gebraucht werden. Die beiden fahren den Transporter vor die Rampe eines Selterser Marktes. Die Markt-Mitarbeiter kennen die Fahrer; die Kisten stehen bereit, alles läuft Hand in Hand. Manche der Lebensmittel müssen die Fahrer vor Ort aussortieren; Vieles ist noch gut. Insgesamt sind die Kisten etwas weniger voll als noch vor ein paar Jahren. „Die Märkte kalkulieren besser. Besonders, was Wurst, Käse oder Butter angeht. Brot und Gemüse gibt’s aber nach wie vor reichlich.“, sagt Werner Rothard, während er eine der Kisten in den Laderaum des Transporters hebt. „Ich mag diese Aufgabe und sitze noch so lange wie‘s geht am Steuer“, schmunzelt er. „Schließlich kann sich das von heute auf morgen ändern.“ 

Aber morgen ist erst morgen. Heute haben Werner Rothard und Franz-Josef Endress rund 25 Kisten vor der Tonne gerettet. Ein guter Tag für die TafelKundinnen. Und für die Fahrer, ohne die sich bei der Tafel nichts bewegt. (bon)

Die Tafel Westerwald sucht weitere Fahrerinnen und Fahrer für die Tafelausgabestellen in Rennerod, Bad Marienberg, Ransbach-Baumbach, Herschbach/Selters, Höhr-Grenzhausen, Hachenburg, Westerburg, Montabaur. Zum Beispiel für zwei Mal im Monat für drei Stunden.  Wer sich interessiert und mal reinschnuppern möchte, kann sich gerne melden bei: Regionale Diakonie Westerwald, Petra Strunk, Telefon 02663/943011, E-Mail: petra.strunk@regionale-diakonie.de 

Senioren erleben Ehrenamt als Bereicherung

Männer und Frauen über 80 erzählen, warum ihnen das Engagement so gut tut.

Westerwaldkreis. Helfen ist keine Frage des Alters. Schon gar nicht für ein Dutzend Ehrenamtliche, die Woche für Woche zur Stelle sind, wenn Kisten geschleppt, Kleidung sortiert oder Lebensmittel ausgegeben werden. Die zwölf Männer und Frauen sind allesamt älter als 80 Jahre, engagieren sich im Diakonischen Werk Westerwald und haben sich nun in Westerburg zum Austausch getroffen. Auf Einladung der Diakonie sprachen sie bei Kaffee und leckeren Torten über ein Engagement, das jung hält. 

Die meisten der Helferinnen und Helfer sind schon seit Jahren dabei. Sie arbeiten ehrenamtlich in einer der acht Wäller Ausgabestellen der Tafel oder im Kleiderladen „Mittendrin“ in Bad Marienberg. Inzwischen können sie sich einen Alltag ohne das Engagement gar nicht mehr vorstellen. Zum Beispiel die 81-jährige Helga Schwickert, eine der guten Seelen von „Mittendrin“: „Ich wohne in einem kleinen Ort, indem es nicht allzu viele Angebote gibt. Deshalb freue ich mich jede Woche aufs Neue, wenn ich im Kleiderladen mit netten Leuten und einem tollen Team zu tun habe.“ Auch für Rosemarie Himmerich (83) ist ihr Einsatz keine Last, sondern sinnstiftend: „Mir tut die Arbeit in der Herschbacher Tafel-Ausgabestelle einfach gut. Inzwischen ist sie ein fester Teil meines Lebens.“

Waltraud Schulz arbeitet mit ihren 82 Lenzen immer noch in der Tafel-Ausgabestelle Westerburg mit und ist Spezialistin für Käse-, Wurst- und Milchprodukte – und gilt als diejenige, die alles im Blick hat: „Sie weiß immer, was noch im Kühlschrank ist und welche Fahrer gerade unterwegs sind“, sagt Tafel-Koordinatorin Petra Strunk lächelnd. Edmund Steinebach ist unterdessen eher fürs Handfeste zuständig: Mit 86 Jahren ist er der älteste in der Runde – und schleppt immer noch Kisten. „Ich bewege mich eben viel. Das hält mich fit. Soll ich mich daheim etwa vor die Glotze setzen? Nee, das liegt mir nicht.“ 

Dann doch lieber aktiv bleiben – und die Zeit mit anderen verbringen. So sieht das auch Ingrid Eulberg (80). Sie spült in den Ausgabestellen unter anderem die Lieferkisten und ist dort auch fürs Kaffeekochen zuständig. „Das hat sich so eingebürgert“, sagt sie lächelnd. „Als ich dort angefangen habe, sagten die Leute: ,Mensch, da tust Du aber ein gutes Werk!‘. Nun, ich mache das ja auch für mich. Weil es mir selbst viel Freude bereitet und es mir richtig leid tut, wenn ich mal nicht kommen kann.“ 

Auch der Dienstälteste in der Runde bedauert das ehrenamtliche Engagement nicht – ganz im Gegenteil: Friedel Stahl ist seit 20 Jahren dabei und hat bereits die Anfänge der Lebensmittelausgabe im ehemaligen Bahnhof Bad Marienberg miterlebt. Er mag es, wenn er mit ganz unterschiedlichen Leuten ins Gespräch kommt. „Besonders schön ist es, wenn ich auf der Straße von Tafelkunden mit einem Lächeln begrüßt werde“, meint er. Die Arbeit hilft ihm, Dinge richtig einzuordnen. „Wir sind nicht besser als unsere Kunden. Wir sind allesamt Menschen auf Augenhöhe.“ Umso mehr stört es ihn, wenn er mit Nörglern spricht, die glauben, dass die Tafelkunden ihn und andere ausnutzten: „Denen entgegne ich, dass alle unsere Klienten überprüft werden und nur diejenigen Lebensmittel bekommen, die’s wirklich brauchen. Ich bin überzeugt von der Arbeit, die wir hier tun. Sonst würde ich’s nicht machen.“

Begegnungen von Mensch zu Mensch und auf Augenhöhe. Diese Momente machen die Arbeit bei der Tafel und im Kleiderladen so wertvoll, finden die Senioren. Zum Beispiel dann, wenn ein Mann kein sauberes Hemd für das Sechs-Wochen-Amt seiner verstorbenen Frau hat und im Kleiderladen überglücklich fündig wird, wie eine Teilnehmerin erzählt. Auch Ursula Walzer (83) kennt solche bewegenden Momente und bringt ihr Engagement auf den Punkt: „Ich werde oft gefragt, warum ich noch arbeiten muss. Ich sage dann: Ich muss nicht mehr arbeiten, ich darf es noch. Und ich bekomme nicht einmal Geld dafür. Viele verstehen das nicht. Aber ich verstehe es. Weil ich im Leben viel Gutes erfahren habe und nun aus Dankbarkeit davon etwas zurückgeben möchte.“

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